Fußball

Dienstag, 26. Juli 2011

Video des Tages

Mario Balotelli hat es mal wieder vollbracht, mit einer arroganten Aktion disqualifizierte der umstrittene Italiener mal wieder selbst. Beim Gastspiel von Manchester City in Kalifornien, beim amerikanischen Club LA Galaxy, scheiterte Balotelli frei stehend vor dem Tor. Balotelli lief auf den Torhüter zu, drehte sich um 180° und schloss mit der Hacke ab. Sein Ball verfehlte das Tor deutlich. Eine respektlose Aktion, die nicht nur beim nahestehenden Mitspieler für Unverständnis sorgte. Die Strafe folgte sogleich, sein Trainer Robert Manchini nahm ihn umgehend vom Platz. 

 

Nicht das erste Mal, dass Balotelli unangenehm auffiel. In den letzten Jahren häufen sich die Skandale. So bewarf Balotelli einen Jugendspieler mit Dartpfeilen, lieferte sich eine Rangelei mit Mitspieler Jerome Boateng und umgab sich in seiner italienischen Heimat mit Mafiosis. Nur ein kleiner Auszug aus einer nahezu endlosen Liste an Skandalen und Fehltritten.

Das Spiel gegen LA Galaxy endete übrigens 1:1. Trainer Roberto Manchini rief  Balotelli nach dem Spiel auf, sein Verhalten zu überdenken - Balotelli müsse verstehen, dass professionelles Verhalten auf dem Platz nicht nur in einem Halbfinale oder Finale gefragt sind.

Tour de France 2011 – Ein Fazit

Gestern endete die 98. Ausgabe der Tour de France auf der Zielgeraden der Avenue des Champs-Élysées in Paris. Insgesamt erreichten 167 Fahrer das Ziel des bekanntesten und geschichtsträchtigsten Radrennen der Welt. Zuvor rollte der Tourtross über 3 Wochen durch die verschiedenen Regionen Frankreichs. Die Strecke führte das Feld in diesem Jahr von der Atlantikküste durch die Bretagne und Normandie, von dort aus durch Zentralfrankreich und fand ihr spektakuläres Ende in Hochgebirgen der Alpen und Pyrenäen. Der einzigen Abstecher ins Ausland fand zur Ehrerbietung des 150. Gründungstags Italiens auf der 17 Etappe, mit Etappenziel Pinerolo, statt. Nach insgesamt 4 Bergankünften und einem abschließenden Zeitfahren hieß der Sieger der diesjährigen Rundfahrt Cadel Evans. Erstmals in der Geschichte der Tour de France sicherte sich ein Australier den Sieg bei der Tour de France. Neben Evans fuhren die beiden Luxemburger Andy und Fränk Schleck aufs Podium. Ebenfalls eine Premiere, nie zuvor standen zwei Brüder unter die ersten Drei der Tour de France.

„Pass in die Tiefe“ wirft noch einmal einen Blick auf die Tour 2011 und ihre Protagonisten:

TOPS

Cadel Evans:
Befreit vom Verletzungspech der Vergangenheit präsentierte sich Cadel Evans in Galaform. Trotz eines mittelmäßig besetzen Teams behauptete er sich in den Bergen und handeltet sich lediglich am Galibier einen größeren Zeitverlust ein. Zu jeder Zeit war er im Feld präsent, setzte rechtzeitig nach, wenn sich kleinere Lücken ergaben und attackierte , entgegen seinem Ruf als „Defensivfahrer“, wann immer sich eine gute Gelegenheit ergab. Seine großartige Vorstellung krönte er mit einem herausragenden Zeitfahren und dem Toursieg.

Herausragenden Leistung. Evans erkannte seine Chance und wusste sie zu nutzen. Dazu bewies er, dass er ein großer Sportsmann ist, als er in der Stunde seines größten Triumphs die Gegner und vor allem seine eigenen Teamkollegen mit viel Lob bedachte.

Andy Schleck und Frank Schleck:
Beide Schlecks wurden auch bei dieser Tour ihrer Favoritenrolle gerecht. In den Bergen wirkten sie zumeist souverän und auch von der häufig diskutierten „Doppelzange“ machten sie Gebrauch. Lange sah es so aus als würde einer der Schlecks Paris im Gelben Trikot erreichen. Doch in den Alpen konnten sie Evans nicht entscheidend distanzieren und verloren die Tour auf den letzten Metern, beim Zeitfahren. Ihre eklatante Schwäche im Zeitfahren konnten die Schlecks auch in diesem Jahr nicht auffangen und dies trotz der außergewöhnlichen Streckenführung, die vor allem den starken Bergfahrern entgegen kam.

Starke Leistung der Schlecks, die sie zurecht auf Podium der Tour de France führte. Trotzdem müssen sich beiden den Vorwurf gefallen lassen, das ihnen der Toursieg aus den Händen glitt. Gerade in den Pyrenäen fuhren sie zu defensiv und überschätzten offenbar ihre Fähigkeiten als Zeitfahrer.

Thomas Vöckler:
Eine der großen Überraschungen der Tour. Nach einem erfolgreichen Ausreißversuch, der ihn ins Gelbe Trikot führte, zeigte sich Vöckler ungewohnt stark in den Bergen. In den Pyrenäen konnten ihm die Favoriten keine Zeit abnehmen und in den Alpen ließ sich Vöckler ebenso nur schwerlich abschütteln. Nach 10 Tagen verlor Vöckler das Gelbe Trikot erst auf der letzten Bergetappe nach L'Alpe d'Huez.

Vöckler fuhr die bis dato beste Tour seiner Laufbahn, er zeigte sich als Kletterer und wusste sich zu quälen. Geleitet von einem starken Team, verspielte Vöckler dennoch eine Chance auf einen möglichen Toursieg. So zeigte er taktische Schwächen am Galibier, als er sein Team nicht in die Tempoarbeit einsteigen lies und tags darauf einer Gruppe um Andy Schleck alleine nachsetzte. Ohne taktische Fehler wäre eine besser Platzierung für Vöckler sehr wahrscheinlich gewesen, deshalb sollte er sich trotz großer Tour auch ein wenig ärgern.

Johnny Hoogerland:
Ein Held, wie er im Buche steht. Von einem Begleitfahrzeuge erfasst stürzte Hoogerland in einen Stacheldrahtzaun. Mit blutenden Beinen und nur notdürftig versorgt quälte sich Hoogerland etliche Kilometer ins Ziel um dort unter Tränen sein Bergtrikot entgegen zu nehmen.

So tragisch der Unfall war, er lieferte eine der Heldengeschichten, die langfristig im Gedächtnis bleiben wird. Hoogerlands Mut, Kampf und Wille beeindruckten und zeugten von der großen Faszination des Radsports.

Choppel, Rolland, Taaramae – Die Jungprofis:
Verfolgte man die Tour de France in den letzten Jahren so war häufig von verheißungsvollen Jungprofis die Rede. Tatsächlich setzte sich der ein oder andere auch durch (Schleck, Contador). Allerdings glänzte eine Vielzahl eben jener Nachwuchsfahrer unter den Top 30 des Gesamtklassements durch Abwesenheit. In diesem Jahr wendete sich das Blatt – gerade die französischen Jungprofis Rolland und Choppel wussten zu überzeugen, ebenso der estnische Jungprofi Rein Taaramae. Alle drei platzierten sich unter den Top 20 der Gesamtwertung. Pierre Rolland siegte sogar als erster Franzose nach Bernard Hinault die Königsetappe in L'Alpe d'Huez.

Die Verjüngung in der Spitze des Radsports, sollte eben diesem gut zu Gesicht stehen. Während sich die Schatten der Vergangenheit so langsam von der großen Bühne verziehen, drängen neue und junge Gesichter nach. Diese stehen der Tour de France besonders gut und sollten in den nächsten paar Jahren für Spannung sorgen.

Mark Cavendish:
Cavendish siegt und siegt und siegt. Die Tour de France ist sein Rennen. Sobald die Strecke flach ist und die Zielgerade nicht sonderlich ansteigt ist der Brite nicht zu schlagen. Er ist der derzeit beste Sprinter mit phänomenaler Endbeschleunigung und dem unbändigen Willen zu siegen. 5 Etappensiege sprechen für sich und zeugen von seiner Dominanz. Folgerichtig ersprintete er sich sein erstes grünes Trikot.

Sportlich ist Cavendish eine absolute Sensation. Sein Sprint ist sehenswert und lässt auch die zähen Flachetappen furios und spektakulär enden.

Andrè Greipel:
Greipel siegte im Sprint auf der 10. Etappe. Ein Sieg der gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Im direkten Duelle besiegte er den Dominator des Sprints Mark Cavendish und befreite sich vom Makel nie zuvor eine Touretappe gewonnen zu haben. Bedenkt man, dass Greipel keine richtige Unterstützung in seinem eigenen Team fand, weil man zeitgleich auf Phillipe Gilbert als Sprinter setzte, wird klar von welcher Qualität dieser Sieg war.

Andrè Greipel bereichert die Tour er zeigte sich als würdiger Konkurrent für Mark Cavendish und lässt darauf hoffen, dass sich die beiden in den nächsten Jahren einen packenden Fight ums grüne Trikot liefern. Es bleibt zu hoffen, dass sein Team Omega-Pharma-Lotto bei der nächsten Tour vermehrt auf ihn setzt.

Thor Hushovd, Evald Boasson Hagen – Die Norweger:
Die Norweger waren die Sensation der Tour. Insgesamt erkämpften sie sich 4 Tagessiege. Darunter ein Husarenritt von Hushovd durchs Hochgebirge. Dazu trug Hushovd 7 Tage das Trikot des führenden. Die Norweger waren für das Großereignis bestens vorbereitet und nutzten nahezu jede Chance die sich ihnen bot.

Team Europcar:
Viele der Teams wurden vor der Tour zu den vermeintlich Stärksten gezählt, doch keiner der Experten hatte wohl das Team Europcar auf dem Radar. Das Team Europcar, nur durch eine Wildcard startberechtigt, zeigte sich vor allem im Hochgebirge stark. Vöckler der mehrere Tage in Gelb fuhr, konnte sich seiner Helfer sicher sein und fand stete Unterstützung. Neben einem Vöckler in Gelb konnte das Team in Paris vor allem das weiße Trikot des besten Jungprofis Pierre Rolland feiern.

Samuel Sanchez:
Zwar konnte Sanchez seine Vorjahresplatzierung (4.Platz) mit seinem 6. Platz nicht gänzlich bestätigen, trotzdem überzeugte er im Hochgebirge und mit seinem Etappensieg in den Pyrenänen. Sein größter Coup gelang ihm jedoch in L'Alpe d'Huez, mit einem enormen Kraftakt entriss er Andy Schleck noch das Bergtrikot und trug es bis nach Paris.

MITTELMAß

Alberto Contador:
Contador galt vor Beginn der Tour als großer Favorit, gebeutelt von einigen schweren Stürzen hatte er im Hochgebirge sichtlich Probleme. Contador enttäuschte viele seiner Fans und ließ die Leichtigkeit der letzten Jahre vermissen. Trotz aussichtsloser Lage im Gesamtklassement kämpfte Contador jedoch unablässig, er attackierte in den Bergen und auf den Abfahrten. Sein Kampfesswille zahlte sich nicht aus, dennoch spricht er für Contador.

Contadors Leistungseinbruch darf aus Sicht des Radsports nur positiv gewertet werden. Contador zeigte Schwächen, die man zuvor nicht gewohnt war – ein gutes Zeichen für den Radsport, aber ebenso ein Zug der Contador menschlicher und in gewisser Weise auch sympathischer macht.

Toni Martin:
Vor der Tour sprach Martin von den Top 10. Seine Leistungen bei Paris-Nizza sprachen durchaus für eine mögliche Leistungssteigerung. Doch Martin vermochte es nur an mittleren Anstiegen dem Tempo der Tourfavoriten zu folgen. Im Hochgebirge verließen Martin die Kräfte. Schon bei der ersten Bergankunft handelte er sich über 8 Minuten Rückstand ein, dieser Trend setzte sich auf den folgenden Bergetappen fort. Für Martin spricht allerdings, dass er sich trotz einer enttäuschenden Tour für das abschließenden Zeitfahren in Grenoble nochmals motivieren konnte. Martin deklassierte den Topzeitfahrer Fabian Cancellara und fuhr seinen ersten Etappensieg bei der Tour ein.

Martin muss eine wichtige Entscheidung treffen, will er nur ein guter Zeitfahrer sein oder im Gesamtklassement der Tour eine Rolle spielen. Zudem stellt sich die Frage, ob Martin die körperlichen Voraussetzungen mitbringt, die es ihm ermöglichen mit den leicht gebauten Bergfahrern mitzuhalten. Zusätzlich müsste sich sein Team klarer positionieren, schließlich zieht kein anderer Top 10 Fahrer auf Flachetappen den Sprint für sein Team an.

Team Leopard Trek:
Dieses Team wurde nur mit einem Ziel in die Saison geschickt, dem Toursieg. Das Team setzte alles auf eine Karte und fuhr nur für die beiden Kapitäne Andy und Fränk Schleck. Am Ende ging die Rechnung nicht auf, der Toursieg ging an Cadel Evans und BMC. Offensichtlich wurde, dass das vermeintlich beste Team der Welt große Probleme in den Bergen hatte. Von der Dominanz eines „Armstrong-Teams“ war man weit entfernt. Gerdemann und Co. mussten sich schon früh zurück fallen lassen, sodass Andy und Fränk Schleck schnell isoliert waren. Trotzdem gab es einige Lichtblicke im Team so überzeugte der Veteran Jens Voigt wieder einmal und arbeitete viel im Wind. Ob es ein Zeichen für Qualität ist, dass der mit Abstand älteste Fahrer der beste Helfer ist, darf bezweifelt werden.

FLOPS

Team Katusha:
Ein undurchsichtiges Team, mit fragwürdigen Figuren in und um den Teambus. Dazu ein schwacher sportlicher Auftritt und 3 Wochen ohne große Auffälligkeiten. Der einzige Fahrer der auffällig wurde musste danach die Tour verlassen. Alexandr Kolobnev wurde des Dopings überführt und ist der bis dato einzige Dopingfall der diesjährigen Tour.

Andreas Klöden:
Klöden war die Pechmarie der Tour, er stürzte nahezu tagtäglich und musste die Tour verletzt aufgeben. Sportlich ein enttäuschender Auftritt für ihn, zum Flop macht ihn aber vor allem seine Medienblockade. Klöden gab keinem deutschen Sender ein Interview, nicht gerade förderlich für einen Sport, dem es an öffentlichem Interesse mangelt.

Ivan Basso:
Zunächst sah er aus wie der große Geheimfavorit. Am Berg wirkte Basso souverän und sicher, verlor kaum Zeit und konnte bei vielen Attacken mitgehen. Doch mit Beginn der dritten Tourwoche ging Basso der Sprit aus. Er verlor den Anschluss zu den Favoriten und landete am Ende auf einem enttäuschenden 8. Platz. Für den Italiener scheint die Tour eine Nummer zu groß, zwar kann er mithalten, gewinnen wird er die Tour in dieser Form allerdings nie.

Robert Gesink:
Vor der Tour galt der Holländer als möglicher Kandidat für das Podium und man hätte sich nicht gewundert, wenn er mit dem weißen Trikot schon einmal Probe gestanden hätte. Doch mit dem Start der Tour war vom Holländer keine Spur, er verschwand in der Untiefe des Fahrerfelds und ward am Berg nicht gesehen. Gesink belegte am Ende mit 35 Minuten Rückstand den 42. Platz.

Begleitfahrzeuge:
Eine absolut katastrophale Vorstellung lieferten die Begleitfahrzeuge bei der Tour de France. Zweimal verursachte ein Begleitfahrzeug den Sturz eines Fahrers (Hoogerland, Sörensen) und auf beim Zeitfahren wäre Toni Martin beinahe mit dem stark abbremsenden Teamwagen des Sky-Teams kollidiert. Hier gibt es absoluten Nachbesserungsbedarf.